EKQ

#1 von MaJoBi , 05.04.2020 06:44

Guten Morgen,

also ich bin noch recht frisch mit dem "selbst in die Hand nehmen" des eigenen Geldes. Lese aber schon eine Weile auf verschiedenen Blogs und auch mal ein Buch zum Thema... und fasse nun mal den Entschluss irgendwo in Erscheinung zu treten. Ich finde den Plan den Alexander und auch viele weitere von Euch verfolgen interessant und beachtenswert und wünsche Euch viel Erfolg...

Ich habe mal eine allgemeine Frage zu den Fundamental Daten bzw. der GuV Rechnung. Und hoffe auf ein wenig Hilfe Eurerseits.
Wieso ist bei manchen Unternehmen die Eigenkapitalquote null bzw. negativ. Sind die Unternehmen wirklich so massiv verschuldet und haben aber gleichzeitig ein relativ geringes Risiko laut Moody's Rating?

Beispiel McDonalds Eigenkapitalquote
2013: 43,71%
2014: 37,49%
2015: 18,68%
2016: < 0
2017: < 0
2018: < 0
2019: < 0

Ich habe die Daten nun mal von finanzen.net genommen.
Ich denke, dass ein entsprechendes EK grade jetzt entsprechend wichtig sein wird...
Oder habe ich da einen Denkfehler?

Viele Grüße und einen guten sonnigen Sonntag trotz der Einschränkungen.


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RE: EKQ

#2 von Ddorfer ( gelöscht ) , 05.04.2020 08:31

Ja Moin,

von deiner Fragestellung aus gehend bin ich seinerzeit zum Ergebnis gekommen, solche Daten überhaupt nicht zu betrachten.

Diese werden von Profis mit dem Ziel erstellt, einen guten Eindruck zu machen. Da ich nicht einmal die Regeln zur Erstellung von Bilanzen multinationaler Konzerne kenne, brauche ich sie mir auch nicht anzuschauen.

Und wenn sich vermeintliche andere Profis (Z.B. Analysten der Ratingagenturen) diese anschauen, geben sie eine Bewertung ab. Was solche Bewertungen wert sind, kannst du dir von den Aktionären von z.B. Lehmann, Enron, Flowtex und aktuell Luckin Coffee erklären lassen.
Für mich ist das Ergebnis, dass ich mich auf "gesunden Menschenverstand" verlasse und niemals versuchen sollte, zu glauben, ich wüsste irgendetwas, was da nicht mindestens 13.000 andere lange vor mir wissen. Somit ist das, was ich meine zu wissen, an der Börse weniger als nichts wert.

Nach diesem Wort zum Sonntag nu ersma Kaffee :-)


Ddorfer

RE: EKQ

#3 von Chrischaan , 06.04.2020 23:21

Eigenkapital ist natürlich immer gut. Ein Teil des Eigenkapitals sind die Gewinnrücklagen. Idealerweise steigen diese kontinuierlich an.

Wenn Firmen eigene Aktien zurückkaufen, können diese gelöscht werden oder müssen, falls nicht gelöscht, als negative Position ins EK gebucht werden. Moodys zum Beispiel hat da einen Posten von -9 Mrd. $ und deswegen auch kaum Eigenkapital.

Auch wenn Aktienrückkäufe als investorenfreundlich gelten, stehe ich so starken Rückkäufen wie bei Moodys eher skeptisch gegenüber. Vor allem wenn dann auch noch über 5 Mrd. Finanzschulden in der Bilanz stehen. Sicherlich rechnen da verschiedene Ökonomen klar aus warum diese Konstellation gut ist. Aber ich bin da eher konservativ. Man hätte auch die Schulden tilgen und nur 4 Mrd. in Rückkäufe stecken können. Aber dann entwickelt sich neben dem Kurs wahrscheinlich auch der Bonus der Vorstände schlechter.
Für McDonalds gilt ähnliches: -66 Mrd $ zurückgekaufte Aktien und dadurchnegatives EK, dafür aber rund 35 Mrd Finanzschulden. Muss man mögen, ich tu das nicht. ;-)

Was mir in einem anderen Thema hier aber auch noch niemand beantworten konnte, ist die Frage, was langfristig mit diesen Aktien "im Eigenkapital" passiert.

VG, Christian


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RE: EKQ

#4 von MaJoBi , 07.04.2020 06:18

Guten Morgen Ddorfer,

dass solche Daten entsprechend schön gerechnet werden weiß ich. Es wird natürlich getrickst. Mich irritiert aber, dass am Ende eine null rauskommt, da dies eben nicht besonders chic aussieht.

Interessant aber, dass Du diese Daten überhaupt nicht betrachtest, und - ich schätze mal da Du Dich hier aufhältst, trotzdem Deinen persönlichen Erfolg verbuchen kannst.
Vermutlich ist der gesunde Menschenverstand wirklich viel wert und vor allem natürlich das Gesamtbild wozu viele Faktoren gehören.


Guten Morgen Christian,

ein weiterer Teil des EK ist doch auch das was durch die Ausgabe der Aktien eingenommen wurde bzw. wenn ein Unternehmen frische Aktien ausgibt. Dass diese bei einem Rückkauf wieder negativ im EK verbucht werden war mir nicht klar. Ich bin allerdings davon ausgegangen, dass diese dann als EK dienen, da sie ja auch wieder veräußert werden können um bestimmte Investitionen durchführen zu können.

Anderseits werden dadurch vermutlich auch diverse Boni für das Management gezahlt die ja durchaus in Form von Aktien gewährt werden. Auch gibt es bei vielen Unternehmen Mitarbeiteraktien. Dabei bekommen die Mitarbeiter ja einen Zuschuss zu den Aktien und diese werden dann dem Mitarbeiter gutgeschrieben. Dafür muss das Unternehmen wohl auch eigne Aktien besitzen, sonst würde am Stichtag wohl deutlich der Kurs steigen wenn entsprechend viele Aktien an der Börse gekauft werden.
Dies ist aber nicht der Fall... Wie genau Unternehmen aber Mitarbeiteraktien ausgeben habe ich bisher noch nicht gelesen.
Aber für so etwas braucht man auch keine Aktien im Wert von 66 Mrd.

Es bleibt wohl dabei, EK ist irgendwie wichtig aber auch keine wirklich aussagekräftige Zahl in der GuV wenn sie ... Im klein Kleinen, wie ich es mal lernte, war das anders aber das ist eben nur "Ausbildungswischiwaschi"... und nicht bei AGs

Viele Grüße


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RE: EKQ

#5 von Chrischaan , 07.04.2020 07:23

Natürlich gibt es auch nach andere Elemente im EK. Und ich bin auch der Meinung, dass Ek grundsätzlich besser ist je höher es ist.

Du hast ein gutes Beispiel mit den eigenen Aktien angesprochen: Ein Unternehmen gibt Aktien als Bonus an die Mitarbeiter. Es würde sich also der Negativpisten z.B. um 1 Mio verringern bzw. EK und Passivseite um eine Mio. erhöhen. Nun haben wir aber gelernt, das Passiva und Aktiva gleich sein müssen. Auf der Aktivaseite kommt aber kein Cash dazu, da die Mitarbeiter die Aktien geschenkt bekommen. Wo verändert sich was in der Bilanz? Reduzieren sich die Gewinnrücklagen und das EK bleibtgleich? Gibt es einen extra Posten auf der Aktivaseite?

VG


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RE: EKQ

#6 von Ddorfer ( gelöscht ) , 07.04.2020 08:47

Moin MaJoBi,

mir erschließt sich nicht, warum ich mir solche Zahlen anschauen soll. So als Hobby - ok. Aber Nutzen stiftend?

- Die Großen haben 24/7 die Rechner laufen und Manpower dass die Heide wackelt. Schlagen weder den Markt noch fällt denen vorher sowas wie Enron oder Lehman auf.
- Die haben Zugriff auf die Zahlen, bevor diese veröffentlicht werden und bekommen ihre Fragen dazu beantwortet
- Die kennen alle Bewertungsgrundsätze oder haben zumindest die Chance dazu. Sehe mich völlig außer Stande, ne Bilanz eines multinationalen Konzerns auch nur halbwegs sinnvoll zu deuten.

Darum begreife ich nicht, warum ich da reinschauen soll. Zumal... selbst wenn ich es machen würde... da spielen doch dann immer noch viele Gefühle und Ratereien mit. Soll heißen:
Wenn ich nu beschließe, dass "meine" Firmen ..sagen wir.... max. 75 % Pay out Ratio haben sollen. Woher bitte kommt die 75? Die ist doch völlig willkürlich geschossen. Außerdem setzt sie voraus, dass ich in der Lage wäre, die Bilanzen der Konzerne entweder selber lesen zu können oder ich muss den Erstellern halt vertrauen. Nur... wenn ich denen vertraue, warum dann Bilanzen lesen? Und... Bei welcher Abweichung ist dann WAS zu tun?

Lange Rede, gar kein Sinn: Bevor ich mir da x Bilanzen anschaue ohne sie zu verstehen, da verblase ich meine Lebenszeit lieber mit sinnlosen Posts in Foren :-)

Nu ersma Kaffee.


Ddorfer

RE: EKQ

#7 von Chris K. , 17.04.2020 09:50

Hallo MaJoBi,

Eine negative Eigenkapitalquote kommt vor, wenn Unternehmen Kredite aufnehmen, um eigene Anteile zurückzukaufen.

Das geht so lange gut, wie die Zinsen niedrig sind und der laufende Gewinn die Zinszahlungen abdeckt.

Steigen die Zinsen, müssen diese Unternehmen teurer refinanzieren.

Bestenfalls schmälert dieser Fall nur den Gewinn (und die Dividende wird gekürzt), schlimmstenfalls rutscht das Unternehmen in die Verlustzone (und die Dividende wird gestrichen).

Die EKQ ist daher eine wichtige Kennzahl, um das Zinsrisiko eines Unternehmens zu bewerten und zu schauen wie nachhaltig eine Dividende ist.

Ich persönlich halte keine Aktien von Firmen mit 0 Eigenkapital, da ein Zinsumschwung diese Firmen in Bedrängnis bringen würde. Das wäre mir zu viel Risiko für ein bisschen mehr Rendite.


 
Chris K.
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Bilanz - Zurückgekaufte Aktien im Eigenkapital
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