Alter schon 57, trotzdem was tun.

#1 von Kay , 26.09.2020 16:15

Hallo, ich begann Ende August mit der Anlage von Geldscheinen, die sich im Laufe der Jahre in einer Reisetasche im Kleiderschrank angesammelt hatten.

Zunächst einige allgemeine Angaben:

Alter: 57
Broker: SBroker (ich weiß, ein Gebührenkiller)
Ersteinlage: 60000€, davon 45000€ angelegt und 15000€ Cash.
monatliche mögliche Sparrate: 1000€

Das Sparziel:
Mit Renteneintritt ein Zubrot zur Rente von in Höhe von mindestens 300€ (also 2030 etwa 400€, wenn sich die Inflation bis dahin "normal" entwickelt).
Auf dem Kontoauszug sollten dann 200000€ stehen.
Das Kapital will ich dann noch nicht anfassen. Das will ich im "optimalen" Fall vererben, gehe aber davon aus, es in den letzten Lebensjahren für Krankheit, Pflege etc. aufzubrauchen.
Da der Anlagehorizont mit 10 Jahren doch eher überschaubar ist und ich dann nicht zu eventuell ungünstigen Konditionen umschichten will, habe ich mich für eine ausschüttende Dividendenstrategie von Anfang an entschieden.

Mein Depot sieht so aus:
Nr WKZ Name Anzahl Wert Kurs Div 19 DR19
1 A1T8GD SPDR® S&P Global Dividend Aristocrats ETF 600 14.000 € 23 € 1,20 € 5,2%
2 A1T8FV Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF 200 9.000 € 45 € 1,50 € 3,3%
3 BASF11 BASF 100 5.000 € 50 € 3,00 € 6,0%
4 BAY001 Bayer 100 5.000 € 50 € 3,00 € 6,0%
5 853260 Johnson & Johnson 20 2.500 € 125 € 2,60 € 2,1%
6 ETFL32 Xtrackers MSCI Nordic ETF 1D 100 3.700 € 37 € 1,50 € 4,1%
7 ETFL26 Deka MSCI USA ETF 50 1.500 € 30 € 0,30 € 1,0%
8 ETFL50 Deka MSCI China ex A Shares ETF 100 1.100 € 11 € 0,10 € 0,9%
9 ZAL111 Zalando 150 10.000 € 75 € 0,00 € 0,0%
10 A1T791 Deka MSCI World ETF (als Sparplan) 10 200 € 20 € 0,30 € 1,5%




Die Werte sind gerundet, da ich davon ausgehe, daß sich niemand für die Centbeträge in meinem Depot interessiert.
Positionen 1 und 2 wohl selbsterklärend, wobei ich unterscheide, daß 1 mit nur etwa 100 Positionen deutlich enger als 2, mit über 1000 Titeln, aufgestellt ist.
Etwas Bauchschmerzen habe ich mit 3 und 4, wobei sich da Gier (die 6% jährliche Rendite), Patriotismus und Optimimus mischen.
5 sollte okay sein.
6,7,8 waren meine ersten Schritte auf dem Parkett und gelinde gesagt, etwas unüberlegt. Reine Bauch- und Sympathiekäufe.
6 paßt einigermaßen, da scheinbar doch ab und an Sonderausschüttungen kommen.
7 und 8, naja, sind in Summe nur 4% meines Depots, ich werde sie wohl als Liebhaberstücke behalten.
9 ist der Sonderfall, da es sich um Mitarbeiteraktien handelt, die zur Hälfte erst im Frühjahr 2021 und zur anderen Hälfte gar erst 2022 verfügbar sind.
Zur Zeit läuft der Kurs ja extrem gut, aber ob es so bleibt, da hilft wohl nur Daumendrücken. Denn wenn mal ein Quartalsbericht ansteht, bei dem zwei Paar Socken weniger verkauft wurden als Analysten erwarteten, kann es auch mal wieder zu einem Kurssturz um 50% kommen.
Wenn es soweit ist, möchte ich mit den Erträgen in 10 umschichten. Als monatliche Sparpläne, 400+200+200+200, um flexibel zu bleiben. Der MSCI als Kompromiss zwischen Kurs- und Dividentenstrategie (immerhin 1,5%), da die Sparpläne 1 und 2 beim SBroker bei jeder Ausführung 2,5% kosten, dazu die Gebühren beim Verkauf der Zalandoaktien.

Meinungen und Kommentare willkommen, für Vorschläge zu 10 bin ich offen. Zu 3,4,6,7,8 würde ich mit mir reden lassen, aber wahrscheinlich beim status quo bleiben.


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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#2 von bpmeister , 26.09.2020 19:03

Hallo Kay,

ich bin mit 53 in einer ähnlichen Phase wie Du.
Zwar habe ich auch 3 ETF die mir quartalsweise Dividende zahlen, aber mein Hauptaugenmerk liegt auf Dividendenstaken Aktien. High Yield (z.B. OHI, Altria, BAT) und Top Konzerne (z.B. Nestle, Coca Cola, McDonalds) halten sich die Waage. Dazu kommt noch ein kleinerer Anteil an Wachstumsaktien wie Paypal, Facebook etc.
Mein Ziel ist eben auch ein kontinuierlicher zusätzlicher Cash Flow in meiner Rentenzeit.


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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#3 von Ddorfer ( gelöscht ) , 26.09.2020 19:35

@ Kay:

Was soll man zu nem Depot sagen, welches du, gelenkt durch Gier, Patriotismus , Bauchgefühl und Sympathie zusammengestellt hast und welches für dich mehr oder weniger gesetzt ist?

Vielleicht sowas:
Toi, toi toi !

Müsste ich dein Depot bewerten und mich an die wohlwollenden Regeln für Arbeitszeugnisse halten, so stünde dort: Er brachte der ihm gestellten Aufgabe ein gewisses Interesse entgegen.


Magst denn was zu deinen geplanten weiteren Einkäufen sagen?

Nabend ersma


Ddorfer

RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#4 von Kay , 27.09.2020 00:47

@Ddorfer.

Ich bin leider nicht mehr in dem Alter, wo das an jeder Ecke propagierte Schema 70% MSCI World und 30% MSCI Emerging Markets und 40 Jahre laufen lassen funktioniert. Also muß ich mir eigene Gedanken machen. Und wenn ich keine Zweifel hätte, würde ich mich nicht an ein Forum wenden.

Trotzdem danke für Deinen hilfreichen Kommentar.


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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#5 von Ddorfer ( gelöscht ) , 27.09.2020 06:37

Ja Moin,

dann wollemer doch mal wieder das machen, was ich am Besten kann. Neeeee - nicht Depots bewerten, sondern mich unbeliebt :-)

1 A1T8GD SPDR® S&P Global Dividend Aristocrats 14.000 € 5,2%____ Solides Teil, wenn man Bock auf Dividenden hat. 5% vor Steuern sind knapp 4 danach. Bei angestrebten 200 K Invest hättest alles, was du brauchst. Wozu brauchst du noch weiterer Positionen?

2 A1T8FV Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield 9.000 € 3,3%. ____Dreck! Finanz-Porno. So nen ETF braucht niemand, außer den Verkäufern. Schau dir mal an, wie teuer dich die "Mehrdividende" zu stehen kommt! Der bringt 3,3 % - seine Mutter (A1JX52) ca. 1,5%. Also hast 1,8 "mehr". In der Zeit ab dem Jahr 2013 (für davor hats keine Daten) hat "die Mutter" ca. 50 %-Punkte mehr gemacht. Also waren die 1,8 % "mehr" eigentlich 5 Miese. Vor Steuern.

3 BASF11 BASF 100 5.000 € 6,0%____ Raus damit! Wenn Du anmerkst, nicht mehr so viel Zeit zu haben, dann ist ein Zykliker nicht das Mittel der Wahl. Schon gar keiner, dessen Dividende auf solch tönernen Füßen steht. Die kappen fürs nächste Jahr die Dividende, dann bricht der Kurs ein und du schaust tüchtig in die Röhre.
4 BAY001 Bayer 100 5.000 €€ 6,0%____ Siehe BASF.

5 853260 Johnson & Johnson 2.500 € € 2,1%_____ Grundsätzlich solider Einzelwert. Frage an dich: Welche Aufgabe hat er in deinem Depot? 2,1 % Dividende bei investierten2,5 K. Das sind ca. 40 Euro im Jahr. Aufpumpen und schauen, welche anderen Positionen die "Minderrendite" von JNJ ausgleichen oder raus damit. So isses Spielerei.

6 ETFL32 Xtrackers MSCI Nordic ETF 3.700 € € 4,1%___ Kann man grundsätzlich wohl machen.

7 ETFL26 Deka MSCI USA ETF 50 1.500 € 30 € 0,30 € 1,0%
8 ETFL50 Deka MSCI China ex A Shares ETF 100 1.100 € 11 € 0,10 € 0,9% ___ Was sollen die im Depot? Du "brauchst" knapp 4 % Dividende. Da helfen dir 2 ETF in solchen Größenordnungen (insgesamt 2,6 K) bei so ziemlich gar nichts. Die Dividende ist zu mickrig, der Anlagebetrag irrelevant für die Performance und nen Großteil der enthaltenen Werte hast eh schon in deinen anderen ETF. Also raus mit denen! Es sind auch nicht "nur" 4 % deines Depots! Du brauchst knapp 4 % Rendite! So "viel" ist 4!

9 ZAL111 Zalando 150 10.000 € 75 € 0,00 € 0,0%_____ Ok.. Sonderfall.. also laufen lassen
10 A1T791 Deka MSCI World ETF (als Sparplan) 10 200 € 20 € 0,30 € 1,5%_____ Für sich genommen tacko. Hilft dir nur nicht. Wenn man dein Depot hochrechnet, kommst dann auf deine benötigte/gewünschte Rendite?

Fazit für heute:
- Befürchte, dass die Gesamtrendite nicht deinen Vorgaben entspricht
- Depot zu kleinteilig. 10 Positionen für knapp 50 K. Das muss nicht sein.
- Sowas wie BASF und Bayer passt nicht und ist zu gefährlich. Wenn es Einzelwerte sein sollen (wenn ja: Warum? Magst was dazu sagen?), dann gibt es deutlich solidere Werte.
- Gut, dass du angefangen hast und dir Rat innem Forum holst.
- Pech, dass grade ich geantwortet habe ;-) . Hab mir den Titel "AFA" ja nicht schenken lassen :-)

Bis später - nu ersma Kaffee.


Ddorfer

RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#6 von werner , 27.09.2020 11:47

Hallo Kay,

zu deiner Depotstruktur habe ich folgenden Kommentar:

- die Positionen 1 und 2 finde ich gut, wenn du in erster Linie auf (soweit möglich) verlässliche Dividendeneinkünfte aus bist. "Dividendenaktien" ziehen unter Gesamtrenditen-Aspekten halt eigentlich immer den Kürzeren, egal ob bei der Anlage in Einzelwerten oder in ETF. Dies ist auch keine bisher unbekannte Neuigkeit sondern liegt in der Natur der Sache, da Wachstumswerte weitgehend eher niedrige Dividenden abwerfen und daher wenig berücksichtigung finden.

- hinsichtlich der Positionen 3 und 4 bin ich kritisch. Wenn du schon Einzelwerte haben willst, würde ich mal einen Blick auf "Assetklassen" werfen, die sich bei dir bisher nicht wiederfinden. Das könnten beispielsweise mittelständische deutsche Firmen sein. Hier gibt es einige Unternehmen die eine akzeptable Streuung von Branchen und Einzelfirmen beinhalten und auch eine relativ robuste Dividendenhistorie vorweisen. Wirf doch mal einen Blick beispielsweise auf INDUS oder die Deutsche Beteiligungs AG. Es gibt aber auch noch einige andere, welche sich eignen würden.

- für die Position 5 (wenn du schon unbedingt noch einmal den Pharma-Sektor haben willst) könnte BB Biotech eine Überlegung wert sein. Die dort enthaltenen Firmen stellen keine Doppelung zu den Positionen 1 und 2 dar, J+J dagegen irgendwie schon.

- die Positionen 6, 7, 8 würde ich nicht halten wollen, da Doppelungen zu den Positionen 1 und 2 relativ stark sind.

- die Position 9 scheint offenbar eine besondere Geschichte zu haben.

- die Position 10 ist grundsätzlich ok, finde ich. Allerdings würde sie nicht so recht zu einer dividendenorientierten Anlagestrategie passen.

- vielleicht wäre ja eine Übergewichtung von REIT-Aktien für dich interessant. Falls ja, gibt es da eine Reihe von interessanten Einzelwerten, insbesondere in den USA. Für Deutschland finde ich u.a. Hamborner oder auch Deutsche Konsum nicht übel.

Zum Schluss erlaube ich mir noch einige Bemerkungen zu dem Beitrag von Ddorfer. Hier fällt mir zum wiederholten Male auf, dass er u.a. kritisiert, Depots seien insgesamt zu kleinteilig und/oder Positionen seien bereits in anderen vorhanden und daher überflüssig. Das ist unbestritten ein ausgesprochen kluger Ansatz, aber - in möglicherweise für launig gehaltenen Art und Weise - vorgetragen von jemandem dem dies scheinbar selbst nicht so richtig gelingt. Im Juni hat er sein Depot hier vorgestellt. Wenn ich mal davon ausgehen darf, dass dieses Sammelsurium in etwa noch der aktuelle Stand sein könnte, wäre eine Zeugnisnote hierfür ganz sicher nicht besser, als die dir von ihm zugedachte Bewertung. Eher schlechter, wenn ich es mir genau überlege. Also: Kopf hoch Kay, so schlecht ist das gewiss bei dir nicht.

Grüße und ein glückliches "Anlage"-Händchen
Werner


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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#7 von Kolovkolosh , 27.09.2020 13:25

Moin,

die Kommentare von Ddorfer... ignorieren wäre jetzt zu stark... ich überfliege sie und belasse es dabei. Ist nicht bös gemeint, aber der Ton missfällt mir.

Zum angestrebten Depot: Die perfekte Zusammenstellung gibt es eh nich. Ich bin mal aus Spaß in Facebook einer Dividendenstrategiegruppe beigetreten - und nutze sie nur um mich zu amüsieren. Da werden ständig die nahezu identischen Depots gepostet und die Meinungen dazu sind auch immer die gleichen. "Aktie A, B oder C fehlt", "Sektor XYZ ist um ... % übergewichtet; darf maximal bei ...% liegen" Letztendlich hat jeder seine eigenen Vorstellungen und Ideen. Und jeder muss sich mit seinem Depot wohlfühlen. Ob die Zusammenstellung dann ideal ist, weiss man frühestens 10 Jahre später.

Zur Ausgangslage: Größerer Einmalbetrag, monatlich Sparrrate, Anlagehorizont 10 Jahre, Ziel: monatliche Ausschüttungen ohne Aktienverkauf

=> das hiesse für mich, in solide, konservative Dividendenaktien zu investieren, die jetzt schon eine annehmabre Rendite haben - für Wachstumswerte ist mir die Zeit zu kurz; Experimente würde ich sein lassen, wenn man daneben liegt, ist die Zeit nicht da um das aufzuholen

Als nächstes würde ich mir die Frage stellen, wieviel Zeit und Lust habe ich denn, mich mit Aktien zu befassen.

=> Wenn ich keine Lust habe regelmäßig zu recherchieren und auch mal die (englischsprachigen) Investor Relationsseiten zu besuchen, dann spricht das für ETF's.

=> Wenn ich es interessant finde, mich mit Aktien zu befassen, dann suche ich mir 15 oder 20 Unternehmen breit gestreut über Branchen und Länder.

Welche Variante finanziell zu einem besseren Endergebnis führt... keine Ahnung. Die Chance, dass die gewählte Variante rückwirkend besser ist liegt bei 50%.


Egal, welche Variante es sein soll, wir können sicher ein paar ETF nennen, mit denen man den Markt abdeckt. Empfehlungen zu Einzelaktien sind immer schwer. Würde ich mir auch nie anmaßen - da hat jeder eine andere Meinung, warum Unternehmen A rein muss und Unternehmen B nicht rein soll. Wäre ich in der beschriebenen Ausgangslage, könnte ich jetzt 15 Unternehmen auflisten, die ich kaufen würde und gleichzeitig auch mit Sparplan kontinuierlich aufbaue.

Aber wenn ich das mache, geht die Diskussion zu jeder Aktie los. Shell => Öl hat keine Zukunft; Altria => Tabak? Ernsthaft?... Deshalb poste ich hier auch nicht mein Depot - es sind rd. 50 Positionen, ich kann mri daher die ersten Kommentare schon ausmalen


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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#8 von Chris K. , 27.09.2020 16:12

Mal ein Gedanke:

Es gibt kein "ich bin zu alt für diese oder jene Strategie", wenn der Anlagehorizont 10 Jahre ist.

Dadurch, dass du auf Ausschüttungen gehst, obwohl du das Kapital nicht brauchst, gehen dir jedes Jahr 25% deiner Divis flöten, obwohl sie per Zinseszins noch für dich arbeiten könnten.

Rechne mal durch, was dir das Geld bringen würde, welches du per Kapitalertragssteuer dem Fiskus gibst - 7% p.a. im Schnitt.
Nach 10 Jahren kommt einiges dabei rum.

Der MSCI World bietet dir eine Marktperformance, nicht mehr, nicht weniger. Allerdings sind schon viele, sehr viele daran gescheitert, diese Performance zu bringen (über 80% der professionellen Investoren).

Ich mache auch Stockpicking, ich bin mir aber dessen bewusst, dass es mehr ein Hobby denn eine Überperformance bietet. Bei den Dividenden möchte ich vorerst unter den 801€ bleiben.

Worauf ich hinaus will: Die Dividendenstrategie birgt immer die Gefahr einer Unterperformance, weil im Benchmark keine KapESt abgezogen wird.

Vorteil einer Dividendenstrategie ist der Cashflow und das antriggern deines Belohnungszentrums. Da geht es dann um Eigenmotivation und darum, dabei zu bleiben, auch in schlechten Phasen.


 
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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#9 von Kay , 27.09.2020 18:00

@Ddorfer, vielen Dank für Deinen zweiten Post. Mit diesem machst Du Dich nicht unbeliebt, viel mehr mit dem ersten, den ich für mich zusammengefaßt habe mit 4-, setzen und ganz überspitzt: Hättest Du das Geld besser aus der Reisetasche unters Kopfkissen umgeschichtet.
@All, vielen Dank für Eure Beiträge

Okay, zum Thema:
Ganz so blauäugig, wie es bei Dir angekommen scheint, bin ich die Sache nicht angegangen.
Der Aristokraten-ETF hat aktuell den größten Anteil in meinem Depot, was schon anzeigt, daß ich ihn favorisiere.
Was mich daran stört, ist halt die geringe Anzahl von Titeln, okay alle handverlesen, aber eben nur etwa 100. Die Nummer 5 ist dort (noch) Freenet mit einem Anteil von 2,4%. Die Tatsache, daß ausgerechnet das deutsche Freenet jetzt wohl rausfliegt, ist mir egal, was mich irritiert, ist die Tatsache, daß es dann nur noch 99 Titel sind. 99 kleine Jägermeister...
Deshalb die Idee mit dem Vanguard und seinen über 1000 Titeln zu diversifizieren.
So richtig sparplanfähig sind beide IHMO, zumindest beim SBroker, nicht. Monatlich die geplanten 1000€*2,5%*12 Monate *10 Jahre =3000€
Brokerwechsel nach nur einem Monat? Ich hab da Skrupel.

Meine Hauptgedankengang zu Bayer: Im November soll das Thema Glyphosat vom Tisch und es zieht hoffentlich wieder etwas Ruhe in der Aktie ein.
Der (inzwischen nicht mehr ganz) neue BASF-Vorstandschef sagt, ab jetzt wird alles neuer, schöner, besser. Na, wenn ders nicht weiß, wer dann? Andererseits, was soll er auch sonst sagen.
Wie bereits in meinem Startbeitrag schon mit anderen Worten gesagt, arg spekulativ und von Hoffnungen getrieben. So richtig wohl fühle ich mich mit beiden Argumentationen nicht.

Eine Nacht drüber geschlafen und einige Stunden dran überlegt:

Ich will die erste Dividendenzahlung in genau zehn Jahren. Bis dahin brauche ich sie nicht, aber dann schon.
Kompletter Neustart, die Verluste hätte ich mit dem MSCI World genauso gehabt in der letzten Woche.
Alles, inclusive dem Sparplan in den MSCI mit seinen Renditechancen und frühestens in fünf Jahren umschichten. Wenn der Markt genau dann schlecht ist, eben in sieben oder in neun Jahren. Die Volatilität der Dividenden-ETF ist relativ gering und die Kurse ändern sich über die Zeit kaum. Die sind in Zukunft wahrscheinlich zu ähnlichen Kursen zu haben wie heute.

Macht das deutlich mehr Sinn als mein anfangs geplantes und ja auch schon eingeleitetes Szenario?


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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#10 von Esquilax , 27.09.2020 18:31

Hallo Kay,

danke für die interessante Vorstellung Deines Depots.

Ich erlaube mir auch ein paar Gedanken, wenn ich darf.
Zunächst einmal bin ich auch beim Sbroker. Ich bespare da den MSCI World ETF von Deka. Der hat zwar 0,3 % TER, was im Vergleich etwas höher liegt als bei Anderen, aber dafür bezahlst Du dauerhaft höchstwahrscheinlich keine Ordergebühren, wie für alle Deka -Produkte.
Ich habe vom S-Broker die schriftliche Auskunft erhalten, dass dies möglichst langfristig so bleiben soll. Das ist natürlich keine Garantie, aber immerhin eine gute Aussage. Ändert sich das, bespare ich das da auch nicht weiter.

Bei allen anderen ETFs ist mir der Ausgabeaufschlag bzw. die Ordergebühren für die Sparpläne echt zu hoch, mit 2,5 %. Hier macht es dann mehr Sinn, mit höheren Einmalbeträgen in ETFs zu investieren. Deshalb ist mein EM-ETF von comstage, der Immobilien ETF von vanEck und der Small Caps ETF von ishares.

Ob Dein Depot so gut aufgestellt ist? Nun, das wird Dir wirklich niemand seriös sagen können. Das weiß man erst retrospektiv. Es ist vielleicht auch das beste Depot der Welt. Stell Dir vor, Bayer legt im Spätherbst wirklich den Glyphosat-Streit bei, BASF erfindet den Corona Super Impfstoff und Zalando wird von Amazon gekauft… usw.
Von daher lehnt man sich weit aus dem Fenster, Depots entsprechend mit einer Note zu bewerten. Es ist allerdings wie eine kostenlose Revision, eine Aufforderung sich noch mal zu reflektieren. Ich mag das. Finde das richtig und wichtig und ich glaube, Kritiken hattest Du Dir mit Deinem Beitrag ja auch erhofft.

Gerd Kommer und Albert Warnecke (der Finanzwesir) würden bestimmt sagen, es sind zu viele ETFs. Zu unübersichtlich, zu gedoppelt.
Beate Sander (die Börsen Oma) würde sagen, die Einzelwerte sind nicht genug diversifiziert („Breit gestreut, nie bereut“). Hier wäre auch meine einzigen Anregung, die Investition in Bayer und BASF zu überdenken. Klar, bei einer alternden Weltbevölkerung (Medikamente) und der zwingenden Anwendung von Chemieprodukten (Ernährung, Landwirtschaft etc.) könnten diese beiden Unternehmen in beispielose Späheren aufrücken, kann aber auch umgekehrt sein. Ein anderer Wert(e) bzw. ein Austausch wäre vielleicht nicht schlecht.

Letztlich alles Deine Entscheidung. Man kann ja auch noch ein bisschen hier anpassen und ein bisschen dort radieren…
Hast Du noch Free-Trades übrig?

Noch zum Sbroker:
Übrigens ist die telefonische Beratung beim S-Broker wirklich super. Habe öfters schon mal spät abends, gegen 23:00 da angerufen, um z. B. einen Trailing Stop Loss einzustellen oder allgemeine Fragen gestellt. Der Service war stets richtig gut. Ich finde, dass das auch gerade am Anfang viel wert ist. Im Übrigen kann man das Depot später immer auch noch wechseln.
Hinter dem SBroker steckt die Deka-Bank. Wie ich gehört habe, wird es wohl künftig eine Loslösung oder Umbenennung von der Sparkassengruppe geben. Nur zur Info.

Unter dem Strich war es auf jeden Fall eine richtige Entscheidung auf ETFs zu setzen, tausend mal besser als bei der Sparkasse oder Union Investment oder so irgendwelche Fonds sich aufschwatzen zu lassen (Ausgabeaufschläge von über 5 %, Managementgebühren bis 3 % und zusätzlich Depotgebühren…eine Addition war das, versteht sich).

Ansonsten viel Erfolg mit Deinem Depot. Das hast bestimmt Spaß damit, vor allem wenn Corona in einem halben bis 2 Jahren ausgestanden ist.


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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#11 von Kolovkolosh , 27.09.2020 18:48

Alles in einen ETF auf den Weltindex ist die einfachste Lösung. Da kann nicht viel schief gehen und man schläft ruhig. Man verpasst die tollen Chancen, aber vermeidet halt auch die Totalausfälle (Wirecard war für viele ein Standardwert im Depot - der Bereich Finanzwesen sollte ja ein einem breit gestreutem Depot mit drin sein). Ich würde dennoch 3 oder 4 ETf nehmen - das hätte mE den Vorteil, dass man die 4 mit variablen Sparaufträgen monatlich besparen kann. Wer grad nach unten geht, bei dem wird der Anteil am monatlichen Kauf erhöht. Vielleicht auch nen Anleihen ETF, zur Abrundung. Damit man nicht nur Aktien hat.

Sind die ersten Ausschüttungen denn wirklich erst in 10 Jahren notwendig? Muss jeder für sich selbst entscheiden und hängt auch stark von der individuellen Situation ab, was ich meine ist: Mit nem prall gefüllten Depot mit 67 in Rente... Mit 63 oder 65 Jahren hat man noch mehr vom Leben. Man spart ja nicht, um der Reichste auf dem Friedhof zu sein.

Noch ein Wort zum Broker: Ich war auch lange bei der Sparkasse und bin jetzt bei der Commerzbank. Gebühren fallen nur bei Kauf und Verkauf an - kann ich mit leben. Aber ich fühle mich einfach besser mit einer physisch existierenden Bank vor Ort. Und diese Onlineanbieter, die mit minimalen oder Null Gebühren rumtönen, verdienen halt auf andere Weise am Kunden. Wenn Sbroker nicht gefällt, der Depotwechsel kostet nur wenig zeit. Den Papierkram macht die Bank - einfach mal auf Wechselangebote achten. Paar hundert Euro Prämie bei Depotwechsel gibt es ab und an. Als ich zur Commerzbank wechselte, ging ich in die Filiale, quatschte 30 Minuten mit dem Bankster, unterschrieb den Wisch und kassierte 600 Euro Prämie. Deswegen hoppst man nicht von Bank zu Bank, aber sowas kann man mitnehmen.



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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#12 von Esquilax , 08.10.2021 10:09

Meine Schwiegermutter hat nun endlich eine Ihre "Anlagen" bei der Sparkasse aufgelöst. Nachdem ich jahrelang dazu geraten habe, diesen Sch... endlich zu beenden. Die Performance in 6 Jahren: Aus 25.000 EUR wurden fantastische 25.520 EUR. Ganz frech waren die "Renditeberechnungen", der Ausgabeaufschlag und die Fondsgebühr. Der Klassiker sozusagen.

Jetzt eröffnet sie mit 68 Jahren ihr erstes Depot. Bzw. ich unterstütze dabei. Sie möchte auch Geld in ETFs anlegen. Ich finde super, das sie das Thema nochmal anpackt, da sie sich nicht gern damit beschäftigen möchte.
Ich möchte es einfach für sie gestalten und auch empfehlen alles in einen All-World-ETF anzulegen, vielleicht auch ein Anleihen ETF dazu. Ich weiß noch nicht ob ausschüttend oder thesaurierend. Der Dame ist es natürlich egal, sie will nur ihr Geld vernünftig anlegen. Sie ist gut situiert und man muss sich keine Sorgen (Auf Sparbüchern...). Außer natürlich, sie geht wieder zur Finanz´beratung´ bei der Dorfsparkasse...

Hat jemand eine ähnliche Situation oder ein solche Portfolio aufgebaut?


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RE: Alter schon 57, trotzdem was tun.

#13 von Alf , 08.10.2021 13:39

Ja, habe auch für meine Schwiegermutter vor einem guten Jahr, da war sie noch 78, ein Depot eröffnet. Sie ist mit einer kleinen 5 stelligen Summe in den Vanguard All World ausschüttend gestartet und bespart diesen seitdem mit einer kleinen dreistelligen Summe pro Monat. Da das damals noch günstig vor der US-Wahl lag, hat sie damit knapp 5.000 EUR plus gemacht. Am meisten hat aber das Februar/März Hoch von diesem Jahr dazu beigetragen.

Also ziemlich ähnliche Situation mit nur einem Jahr auseinanderliegend.


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